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    XX. montalbâne 2010 - Eine Nachlese
    von Martin Uhlig

    20 Jahre montalbâne - das ist für uns durchaus ein Anlaß, diesem wichtigen und einzigartigen Festival der mittelalterlichen Musik eine Nachbesprechung zu widmen.

    Anlässlich dieser runden Zahl stand eine wahrlich beeindruckende Zahl von "Stars" und bedeutenden Ensembles auf der Bühne der wunderschönen Stadtkirche zu Freyburg/Unstrut. Wo sonst findet man Clemencic Consort, Sarband, Sequentia, Ferrara Ensemble, Marco Beasly und Ross Daly auf einer Bühne? Selbst die scheinbar eher unbekannten La Ziriola entpuppen sich nach einem Blick auf die Besetzungsliste als eine etwas eingedampfte Fusion aus Ioculatores und Oni Wytars. Wirklich beeindruckend, wie es die künstlerische Leiterin dieses Festivals, Susanne Ansorg, seit 20 Jahren schafft, die Größen der alten Musik zu montalbâne zu verpflichten. Ganz unabhängig von den Aufführungen der Ensembles, gilt meine größte Bewunderung, mein größter Dank hier an dieser Stelle Susanne Ansorg, ohne die das Festival längst nicht das wäre, was es ist - nämlich das bedeutendste Festival mittelalterlicher Musik in Europa. Danke, Susanne! Auf die nächsten 20 Jahre!


    Susanne Ansorg, Organisatorin des Festivals

     

    Eröffnet wurde das Jubiläumsfestival mit "Clemencic Consort", die bereits letztes Jahr bei montalbâne spielten und dort - das muss an dieser Stelle leider klar gesagt werden - eine eine klägliche Vorstellung ablieferten. Entsprechend groß waren die Erwartungen oder vielleicht auch Vorurteile an das "Asinaria festa" - dem diesjährigen Programm von René Clemencic. Gleich vorweg: es war besser. Viel besser! Das René Clemencic für die "Wiederbelebung" und Entwicklung von historischer Aufführungspraxis mittelalterlicher Musik von enormer Bedeutung ist, muss hier vielleicht nicht besonders herausgehoben werden - unerwähnt bleiben soll es aber nicht. Angesichts dessen mag man sogar eine schlecht gestimmte (vielleicht mit Absicht? - man bedenke das Thema des Programms) Drehleier verzeihen. Auch der eine oder andere unsichere Ton kann angesichts des Alters mancher der Protagonisten nicht verwundern. Das Programm selbst existiert seit ca. 30 Jahren - ist also definitiv das älteste Programm, was dieses Jahr bei montalbâne zu hören war - und mithin ein würdiger Vertreter dieses Jubiläums. So wurde also mittelalterliche Musik zu Anfang der 80er Jahre interpretiert. Man spürte deutlich, das diese Art der Interpretationen viele der nachfolgenden Generationen von Ensembles mittelalterlicher Musik inspiriert hat - auch wenn so manches nicht mehr ganz zeitgemäß wirkte.

    Fortgesetzt wurde der Abend, besser, die Nacht mit dem Ferrara Ensemble. In einer Traumbesetzung aus Gesang (Lena Susanne Norin), Laute (Crawford Young) und Viola d’Arco (Randall Cook), spielte das Ferrara Ensemble Stücke der Ars Subtilior Epoche in einer erstaunlichen Leichtigkeit. Die oft äußert komplexen rhythmisch und harmonisch enorm schwierigen Ballades und Rondeaux der Ars Subtilior wurden hier locker und leicht schwebend - und trotzdem hochpräzise und exakt aufgeführt. Wunderbar!

    Ermattet ob der späten Stunde und ruhigen Atmosphäre neigte manch Zuhörer sein Haupt in seligem Schlummer - auch das gibt es nur bei montalbâne: ein Konzert, welches den Zuhörer ausdrücklich dazu einlädt, zu "traumhafter" Musik ein Nickerchen zu halten.

    Fortsetzung...


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